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cdgw trifft Hauptstadtkongress und Zukunftspreis 2014

Neun Bewerber wetteiferten um den Zukunftspreis Gesundheitswirtschaft des cdgw, so viele wie noch nie. Aber am Ende  konnte es – wie immer – nur einen Sieger geben. Die rund 50 Teilnehmer der Preisveranstaltung entschieden sich in geheimer Wahl mit einfacher Mehrheit der Stimmen für das Projekt der Knappschaft und des Klinikums Westfalen, das von Andreas Schlüter präsentiert wurde, Geschäftsführer der Klinikum Westfalen GmbH in Dortmund und des Klinikums Vest mit insgesamt fünf Krankenausstandorten. Sie gehören zum medizinischen Netz der Knappschaft.

Unter dem Titel „Elektronische Behandlungsinformation – Intersektorale Kommunikation und Arzneimitteltherapiesicherheit“ stellte Andreas Schlüter das wegweisende Projekt vor. Die Knappschaft gehört zu den größten Klinikträgern in Deutschland mit mehr als 7.000 Betten und hat mehr als 1,7 Millionen Versicherte. Das Arzneimittelprojekt wurde komplett in Eigenregie entwickelt.

Die Ausgangsfrage war, wie sich zum Nutzen der Patienten, der Kliniken und der Kostenträger eine gleichermaßen gefährliche, unabgestimmte, unnütze und teure Medikamentengabe erkennen und vermeiden lässt. Im Hintergrund standen das Wissen und die Erkenntnis, dass Patienten eine Vielzahl an Ärzten aufsuchen – ein Großteil sogar mehr als zehn Mediziner jährlich. Das kann im Hinblick auf die Interaktion verschriebener Medikamente nicht nur gefährlich bis tödlich sein, es stellt auch einen enormen Kostenfaktor dar. So gehen Experten davon aus, dass fünf bis zehn Prozent aller Krankenhauseinweisungen auf Grund unerwünschter Arzneimittelwirkungen erfolgen und daher zugleich grundsätzlich vermeidbar sind.

„Eine Koordination der Verordnungsprozesse ist deshalb enorm wichtig“, stellte Andreas Schlüter fest. Für das Projekt der Knappschaft, des Klinikums Westfalen und des Klinikums Vest wurde auf die vorhandene Internettechnologie zurückgegriffen und ein Datenaustausch mit den Kostenträgern vereinbart. Kommen Patienten in die Klinik, werden in kürzester Zeit die Patientendaten von den Kassen überspielt und in der Klinik auf die Medikamentenverordnungen hin analysiert. Die Daten gelangen in das KIS, und zugleich wird ein IT-unterstützter Risikocheck vorgenommen. Dazu fließen auch die Daten der Anamnese ein. Da künftig in den Apotheken auch die Dosierungen erfasst werden, ist laut Andreas Schlüter künftig eine weitere Verbesserung des Risikoanalyse zu erwarten.

„Wir konnten die Medikamentengabe halbieren“, wies Geschäftsführer Schlüter schon jetzt ein außergewöhnliches Ergebnis des vor sechs Monaten gestarteten Projektes aus. „Wir haben damit erstmals eine Komplettlösung, die auch datenrechtlich sicher ist.“ Im nächsten Schritt sollen die niedergelassenen Ärzte Zugriff auf die Daten erhalten. Voraussetzung ist stets, dass der Patient dem Datenaustausch zustimmen, unterstrich Geschäftsführer Andreas Schlüter. Zusammenfassend bilanzierte er: „Wir können damit Leben retten. Die Patienten gewinnen Sicherheit, sind gesünder und haben weniger Intoxikationen, und gleichzeitig sparen die Kassen Medikamentenkosten ein.“ (Download der Präsentation)

Weitere Teilnehmer des Preiswettbewerbes mit folgenden Themen waren:

– Orthopädische Universitätsklinik Friedrichsheim Frankfurt am Main in Kooperation mit Biomet Deutschland GmbH Rapid Recovery / Versorgung neu denken – Ein evidenzbasierter Aufsatz in der Versorgung von Wirbelsäulenpatienten.

– 3M
Eid des Hippokrates – Behandeln statt Kodieren? (Download der Präsentation)

– Universitätsmedizin Greifswald
Reduktion der Sepsis-Sterblichkeit.

–  MedAdvisors GmbH/WZR Group
Strategische Krankenhausplanung und demographischer Wandel.

– How to organize / KARL STORZ GmbH & Co.KG / Klinik für MIC)
CUBO-Concept (Download der Präsentation)

– Unfallkrankenhaus Berlin in Kooperation mit AIDA Cruises
Telemedizin auf Kreuzfahrtschiffen

– Porschehealth
Health Intelligence Platform

– iffm / Charité
Flächennutzungsmanagement

Einen wichtigen Impuls gab auch Nicolaus Widera von der Caterna Sehschule. Das Unternehmen gewann im vergangenen Jahr den Zukunftspreis Gesundheitswirtschaft. Aus der Idee ist in der Zwischenzeit ein erfolgreiches Projekt geworden. Die Sehschule hat eine Onlineplattform zur Therapie von sehbehinderten Kindern geschaffen, um ihnen die belastende Behandlung mit einem Augenpflaster zu ersparen. Verbesserungen werden damit in drei Monaten statt üblicherweise in zwei Jahren erreicht. „Die Idee war so neu, dass wir viel Zurückhaltung und auch Widerstände erfahren haben“, berichtete Widera. Seine Schlussfolgerung war deshalb: „Ideen müssen auch unterstützt, getragen und gefördert werden. Das ist genau das, was der Zukunftspreis macht.“ Nicolaus Widera sagte weiter: „Für uns kam der Preis genau in eine sensible Phase der Unternehmensentwicklung und war eine große Anerkennung und ein wertvolles Urteil für unsere Arbeit.“ Nicolaus Widera riet: „Wenn Sie eine Idee haben, die Sie begeistert, verlassen Sie sich nicht darauf, dass sie sich von alleine durchsetzt.“ Daher sei auch der Zukunftspreis so wichtig.

Dem cdgw-Wettbewerb schloss sich dann am Abend die Kooperationsveranstaltung von cdgw und Siemens Healthcare an. Rund 200 Repräsentanten aus der Gesundheitswirtschaft nahmen daran im Berliner Hotel Radisson Blu teil. Eingeschoben in den festlichen Abend war eine Diskussionsrunde unter Leitung von Prof. Dr. Matthias P. Schönermark, Professor für Management an der Medizinischen Hochschule Hannover.

Teilnehmer waren:

– Prof. Axel Ekkernkamp, Ärztlicher Direktor und Geschäftsführer Unfallkrankenhaus Berlin, ordentlicher Professor für Unfallchirurgie Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald und Mitglied des Präsidiums des cdgw

– Prof. Dr. Hermann Requardt, Mitglied des Vorstands der Siemens AG

– sowie der Sozialdemokrat Dr. Edgar Franke, Vorsitzender des Gesundheitsausschusses im Deutschen Bundestag.

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